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Fallstudie30. November 202522 Min. Lesezeit

Komplexer Steuerfall 2025/2026: IT-Berater Martin am Scheideweg

Realistische Fallstudie zur Lösung einer komplexen Steuersituation mit Kombination von Gewerbeschein, Anstellung, GmbH, Immobilienvermietung und Kryptowährungen. Praktische Berechnungen und Empfehlungen.

Hinweis: Die folgenden Berechnungen sind vereinfacht und dienen zu Illustrationszwecken. Für eine genaue Berechnung Ihrer individuellen Situation wenden Sie sich bitte an unsere Kanzlei. Jeder Steuerfall hat seine Besonderheiten und erfordert eine individuelle Analyse.

Wichtige Steuerregeln für 2025

Einkommensteuersätze 2025:

  • • Gewerbeschein bis 100.000 €: 15%
  • • Natürliche Personen bis 48.441 €: 19%
  • • Natürliche Personen über 48.441 €: 25%

Abgaben Gewerbeschein:

  • • Krankenversicherung: 15% (2026: 16%)
  • • Sozialversicherung: 33,15%
  • • Bemessungsgrundlage ≈ (Teil-ZD + gezahlte Beiträge) / 1,486

Pauschalausgaben Gewerbeschein:

  • • Satz: 60% der Einnahmen
  • Maximum: 20.000 € pro Jahr
  • • + tatsächlich gezahlte Versicherungsbeiträge

Steuerfreie Beträge (NČZD):

  • • Steuerpflichtiger: 5.753,79 €
  • • Ehepartner: max. 5.260,61 € - eigenes Einkommen (inkl. Mutterschaftsgeld)
  • • Kinder: Steuerbonus (nicht NČZD!)

Häufige Irrtümer bei Steuerberechnungen

Kryptowährungen: Im Gegensatz zu einigen Ländern gibt es in der Slowakei keine zeitliche Steuerbefreiung. Ein Steuerereignis kann auch der Tausch krypto↔krypto oder der Kauf von Waren/Dienstleistungen mit Krypto sein. Kryptogewinne sind grundsätzlich steuerpflichtig.

Vermietung: Bei Vermietung zwischen natürlichen Personen können keine 40% Pauschalausgaben angesetzt werden. Es können nur tatsächliche Ausgaben geltend gemacht werden (aber Befreiung für 500 €/Jahr Mieteinnahmen nutzen).

Pauschalausgaben: Die 60% Pauschale ist auf 20.000 € begrenzt. + tatsächlich gezahlte Sozialversicherungsbeiträge können hinzugerechnet werden.

Dividenden: Dividenden aus Gewinnen ab 2017 werden i. d. R. mit 7% besteuert (Gewinn 2024: 10%) und unterliegen keinen Krankenversicherungsbeiträgen.

Kundensituation

Martin Novák, 35 Jahre - IT-Berater

Aktueller Stand (Jahr 2025):

  • Gewerbeschein (SZČO) - IT-Beratung für 3 Kunden im Ausland (DE, AT, CZ)
  • Voraussichtliche Einnahmen aus Gewerbeschein: 85.000 € jährlich
  • Pauschalausgaben: 60% (max. 20.000 € + Versicherung)
  • Wohnungsvermietung in BA: 800 €/Monat = 9.600 €/Jahr (nur tatsächliche Ausgaben möglich)
  • Kryptowährungen: Besitzt Bitcoin im Wert von ca. 25.000 € (Kauf für 10.000 € in 2022)
  • Familienstand: Verheiratet, Ehefrau in Elternzeit (2 Kinder 2 und 4 Jahre alt)

Neue Situation - Jobangebot:

  • Angebot: IT-Manager in internationalem Unternehmen
  • Bruttogehalt: 4.500 €/Monat (54.000 €/Jahr)
  • Home Office: 3 Tage pro Woche
  • Beginn: April 2025

Dilemma:

  • Soll er die Festanstellung annehmen und den Gewerbeschein beenden?
  • Oder Festanstellung + Gewerbeschein kombinieren?
  • Oder GmbH gründen und Kunden dorthin übertragen?
  • Wie Bitcoin versteuern? (ACHTUNG: In SK gibt es keine Befreiung!)
  • Wie Mieteinnahmen optimieren?

Steueranalyse - 3 Szenarien

Analysieren wir drei Hauptszenarien und vergleichen ihre steuerlichen Auswirkungen, Abgaben und Nettoeinkommen. Die Berechnungen umfassen Einkommensteuer, Krankenversicherungsbeiträge, Sozialversicherungsbeiträge und die Auswirkungen der neuen Steuersätze für 2025 und 2026.

AGewerbeschein + Vermietung beibehalten

Martin lehnt das Festanstellungsangebot ab und führt seinen Gewerbeschein mit Mieteinnahmen fort.

Berechnung Steuer und Abgaben (Jahr 2025)

1. Gewerbeschein-Einnahmen:

  • Einnahmen: 85.000 €
  • Pauschalausgaben 60%: 51.000 € → max. 20.000 €
  • Grundlage vor Versicherung: 85.000 - 20.000 = 65.000 €
  • Versicherung (ca. KV + SV): ~21.068 €
  • Teil-Steuerbemessungsgrundlage: 65.000 - 21.068 = 43.932 €

2. Mieteinnahmen:

  • Einnahmen: 9.600 €
  • Befreiung: 500 €
  • Zu versteuern: 9.100 €
  • Tatsächliche Ausgaben (angenommen 25%): 2.275 €
  • Teil-Steuerbemessungsgrundlage: 6.825 €

3. Steuerbemessungsgrundlage gesamt:

  • Gewerbeschein: 43.932 € + Vermietung: 6.825 € = 50.757 €
  • NČZD Steuerpflichtiger: 0 € (bei diesem Einkommen auf 0 reduziert)
  • NČZD Ehepartner: abhängig vom Einkommen und eigenem Einkommen (inkl. Mutterschaftsgeld); im Beispiel 0 €
  • Steuerbemessungsgrundlage nach Abzug: 50.757 €

4. Einkommensteuer (2025 - Gewerbeschein 15%):

  • Teil-ZD Gewerbeschein (43.932 €): 15% = ~6.590 €
  • Teil-ZD Vermietung (6.825 €): 19% = 1.297 €
  • Steuerbonus für 2 Kinder (2+4 J.): 2 × 100 × 12 = 2.400 € (kann gekürzt werden)
  • Endsteuer (Schätzung): ~5.490 €

5. Krankenversicherungsbeiträge (15%):

  • Bemessungsgrundlage: 65.000 € / 1,486 ≈ 43.742 €
  • 15% von 43.742 € = ~6.561 €
  • + aus Vermietung in der Jahresabrechnung: ~1.024 €

6. Sozialversicherungsbeiträge (33,15%):

  • Bemessungsgrundlage: 43.742 €
  • 33,15% von 43.742 € = ~14.507 €

SZENARIO A - Zusammenfassung:

  • Gesamteinnahmen: 94.600 €
  • Einkommensteuer: ~5.490 €
  • Krankenversicherung: ~7.585 €
  • Sozialversicherung: ~14.507 €
  • Ausgaben (Pauschale + tatsächliche Ausgaben): ~22.275 €
  • Nettoeinkommen: ~44.740 €

BFestanstellung + Gewerbeschein (nebenberuflich) + Vermietung

Martin nimmt die Festanstellung ab April 2025 an (9 Monate) und führt den Gewerbeschein nebenberuflich mit begrenzter Zeit fort. Einnahmen aus Gewerbeschein sinken auf 30.000 €/Jahr.

Berechnung Steuer und Abgaben (Jahr 2025)

1. Festanstellung (April - Dezember, 9 Monate):

  • Bruttogehalt: 4.500 € × 9 = 40.500 €
  • Arbeitnehmerabgaben (13,4%): 5.427 €
  • Nettogehalt: ca. 29.173 €

2. Gewerbeschein-Einnahmen (nebenberuflich):

  • Einnahmen: 30.000 €
  • Pauschalausgaben 60%: 18.000 € (unter Max. 20.000 €)
  • Teil-Steuerbemessungsgrundlage: 12.000 €

3. Vermietung:

  • Einnahmen: 9.600 €, Befreiung: 500 €, tatsächliche Ausgaben (angenommen 25%): 2.275 €
  • Teil-Steuerbemessungsgrundlage: 6.825 €

4. Jahresabrechnung Steuer:

  • Festanstellung: 40.500 €, Gewerbeschein: 12.000 €, Vermietung: 6.825 €
  • Gesamt-Steuerbemessungsgrundlage: 59.325 €
  • NČZD und Steuerbonus werden berücksichtigt
  • Steuer: Gewerbeschein 15%, Rest 19%/25%
  • Gesamtsteuer: ca. 9.500 €
  • Lohnsteuervorauszahlungen: -5.900 €
  • Nachzahlung: ca. 3.600 €

5. Gewerbeschein-Abgaben (nebenberuflich):

  • Krankenversicherung: Minimum (von Festanstellung gedeckt)
  • Sozialversicherung: Bei niedrigen Einnahmen oft Befreiung möglich

SZENARIO B - Zusammenfassung:

  • Gesamteinnahmen: 80.100 €
  • Festanstellung netto: ~29.173 €
  • Gewerbeschein nach Steuern: ~10.200 €
  • Vermietung netto: ~5.750 €
  • Nettoeinkommen: ~45.123 €
  • ✓ Niedrigere Gesamtabgaben + Arbeitnehmerschutz

CFestanstellung + GmbH + Vermietung

Martin nimmt die Festanstellung an und gründet eine GmbH, wohin er seine ausländischen Kunden überträgt. Die GmbH wird Einnahmen von 85.000 € jährlich haben.

Berechnung Steuer und Abgaben (Jahr 2025)

1. Festanstellung (9 Monate):

  • Wie Szenario B: Nettoeinkommen 29.173 €

2. GmbH (April - Dezember):

  • Einnahmen: 85.000 € × 9/12 = 63.750 €
  • Ausgaben (Buchhaltung, Server, SW-Lizenzen): 8.000 €
  • Geschäftsführergehalt: 0 € (hat Festanstellung anderswo)
  • Steuerbemessungsgrundlage: 63.750 - 8.000 = 55.750 €
  • Körperschaftsteuer (10% bis 100k): 5.575 €
  • Gewinn nach Steuern: 50.175 €

3. Dividenden (Auszahlung 2026 aus Gewinn 2025):

  • Gewinn 2025: 50.175 €
  • Dividendensteuer: 7% (Gewinne ab 2017; Gewinn 2024 = 10%) = 3.512 €
  • Krankenversicherungsbeiträge: 0 € (Dividenden aus Gewinnen ab 2017 ohne KV)
  • Nettodividenden: 50.175 - 3.512 = 46.663 €

4. Vermietung:

  • Wie zuvor: Teil-Steuerbemessungsgrundlage 6.825 €
  • Steuer: ca. 1.297 € (19%)

SZENARIO C - Zusammenfassung (Jahr 2025 + Dividenden 2026):

  • Festanstellung netto (2025): 29.173 €
  • GmbH-Gewinn nach Steuern (2025): 50.175 €
  • Nettodividenden (Auszahlung 2026): 46.663 €
  • Vermietung netto: ~5.700 €
  • Gesamter Cashflow über 2 Jahre: ~81.536 €
  • (Festanstellung 2025 + Dividenden 2026 + Vermietung)
  • ⚠ Achtung: GmbH hat Buchhaltungskosten (1.500-2.500 €/Jahr)

Bonusfrage: Bitcoin und Steuern

MYTHOS: Bitcoin nach 1+ Jahren steuerfrei verkaufen

Martin besitzt Bitcoin im Wert von 25.000 € (Kauf für 10.000 € in 2022). Gewinn aus Verkauf: 15.000 €

Realität in der Slowakei:

  • Im Gegensatz zu Deutschland oder Österreich gibt es in der Slowakei KEINE Steuerbefreiung für Kryptowährungen nach 1+ Jahren Haltedauer!
  • Ein Steuerereignis kann auch der Tausch krypto↔krypto oder der Kauf von Waren/Dienstleistungen mit Krypto sein
  • Kryptogewinne werden als "sonstige Einkünfte" besteuert
  • Steuersatz: 19% bzw. 25% (je nach Gesamteinkommen)
  • Zusätzlich Krankenversicherungsbeiträge 15%

Martins Situation:

  • Gewinn aus Bitcoin: 15.000 €
  • Steuer (25% bei höherem Gesamteinkommen): 3.750 €
  • Krankenversicherung (15%): 2.250 €
  • Gesamtabgaben: ~6.000 €
  • Nettogewinn: ~9.000 €

Empfehlung:

Kryptowährungsgewinne grundsätzlich versteuern! Nicht auf angebliche "Steuerbefreiungen" vertrauen, die in der Slowakei nicht existieren. Bei Unsicherheit einen Steuerberater konsultieren.

Szenarienvergleich

KriteriumA: Nur GewerbescheinB: Festanst. + GewerbescheinC: Festanst. + GmbH
Gesamteinnahmen94.600 €80.100 €108.600 €
Nettoeinkommen (1. Jahr)~44.740 €~45.123 €~35.000 €
+ Dividenden im 2. Jahr--+46.663 €
VerwaltungsaufwandMittelHochSehr hoch
ZeitaufwandVollzeit GewerbescheinFestanst. + Abende/WochenendenNur Festanst. (GmbH selbständig)
EinkommensstabilitätNiedrigHochHoch
SozialversicherungGewerbeschein-Beiträge (33,15%)Arbeitnehmer (besser)Arbeitnehmer
Buchhaltungskosten600 €/Jahr600 €/Jahr2.000 €/Jahr

Empfehlung für Martin

SZENARIO B: Festanstellung + Gewerbeschein (nebenberuflich) + Vermietung

Warum am vorteilhaftesten:

  • Stabilität: Festes Einkommen aus Festanstellung (54.000 €/Jahr)
  • Flexibilität: Kann 1-2 Kunden nebenberuflich behalten
  • Niedrige Abgaben: Aus nebenberuflichem Gewerbeschein geringere Sozialversicherungsbeiträge
  • Sozialversicherung: Arbeitnehmerbeiträge aus Festanstellung sind vorteilhafter
  • Home Office: 3 Tage pro Woche = Zeit für Nebenprojekte
  • Keine hohen Gründungskosten: Im Gegensatz zur GmbH

Praktische Schritte:

  1. Festanstellungsangebot ab April 2025 annehmen
  2. Gewerbeschein behalten und 1-2 ausländische Kunden behalten
  3. Dritten Kunden an Kollegen empfehlen oder Zusammenarbeit schrittweise beenden
  4. Wohnungsvermietung fortsetzen (tatsächliche Ausgaben berücksichtigen!)
  5. Bitcoin-Gewinne ordnungsgemäß versteuern (keine Befreiung in SK!)
  6. In Zukunft (2026-2027) GmbH-Gründung erwägen, wenn Gewerbeschein-Einnahmen steigen

Risiken und deren Lösung:

  • Zeitaufwand: Festanstellung + Gewerbeschein = viel Arbeit→ Lösung: Max. 2 Kunden behalten, die keine dringenden Termine benötigen
  • Interessenkonflikt: Arbeitgeber könnte Einwände gegen nebenberufliche Tätigkeit haben→ Lösung: HR informieren, Gewerbeschein-Kunden sind in anderen Branchen

Alternative: Szenario C (GmbH) in Zukunft

Wenn Martins Einnahmen aus nebenberuflichem Gewerbeschein über 50.000 €/Jahr steigen, macht eine GmbH-Gründung Sinn. In diesem Fall erreicht er noch höhere Steueroptimierung dank 10% Körperschaftsteuersatz und Möglichkeit, Dividenden mit 7% Steuer (Gewinn 2024: 10%) und 0% Krankenversicherung auszuzahlen (für Gewinne ab 2017).

Was ändert sich 2026?

Transaktionssteuer (ab 1.4.2025)

Die Finanztransaktionssteuer gilt seit 1.4.2025 (für Firmen und Selbstständige). Bargeldlose Überweisungen werden mit 0,4% belastet (max. 40 € pro Transaktion). Ab 1.1.2026 wird sie laut aktueller Regelung für Einzelunternehmer (SZČO) abgeschafft.

Höhere Krankenversicherungsbeiträge

Ab 2026 steigt der Krankenversicherungssatz für Gewerbeschein von 15% auf 16%.

Neue Steuerstufen für natürliche Personen

Ab 2026 gibt es 4 Steuerstufen: 19% / 25% / 30% / 35%. Dies betrifft Szenario A (nur Gewerbeschein), wo Martin höhere Steuern bei Einnahmen über 48.441 € zahlen würde.

Mehrwertsteuer - keine Änderungen

Mehrwertsteuersätze bleiben 2026 gleich wie 2025: 23% / 19% / 5%. Martin muss kein Mehrwertsteuerzahler sein (Einnahmen unter 50.000 €), aber die GmbH sollte es sein.

Fazit

Martins Fall ist ein typisches Beispiel für eine komplexe Steuersituation, wo die Kombination mehrerer Einkommen eine umfassende Analyse und Vergleich verschiedener Szenarien erfordert.

Wichtige Lehren:

  • Kombination Festanstellung + Gewerbeschein ist oft am vorteilhaftesten - bietet Stabilität der Festanstellung und gleichzeitig Möglichkeit zusätzlicher Einnahmen mit niedrigeren Abgaben
  • GmbH macht Sinn erst bei höheren Einnahmen (über 50.000 €/Jahr) oder wenn Sie persönliche und geschäftliche Risiken trennen möchten. Dividenden aus Gewinnen ab 2017: 7% Steuer (Gewinn 2024: 10%), 0% KV!
  • Krypto - ACHTUNG: In der Slowakei gibt es keine zeitliche Steuerbefreiung; auch Tausch krypto↔krypto kann steuerpflichtig sein.Gewinne sind grundsätzlich steuerpflichtig
  • Vermietung - nur tatsächliche Ausgaben können geltend gemacht werden (keine 40% Pauschale!), aber 500 € Befreiung nutzen
  • Pauschalausgaben - maximal 20.000 € + tatsächlich gezahlte Versicherungsbeiträge
  • Transaktionssteuer gilt ab 1.4.2025 (Firmen und Selbstständige); ab 1.1.2026 laut aktueller Regelung nicht mehr für Einzelunternehmer (SZČO)

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